Markieren können Rüden so wie Hündinnen gleichermaßen. Die Ausprägung kommt auf die jeweilige Fellnase an. Das Markierverhalten setzt meist mit der Geschlechtsreife ein.

Dies erkennst Du daran: Die Rüden heben das Bein und Hündinnen sind erstmalig läufig. Markiert wird entweder mit Urin, aber auch mit Kot. Die Mengen, die abgesetzt werden, sind kleiner, dafür geschieht dies auf dem Gassigang meist öfters.
Markiert wird an Wegkreuzungen, Bäumen, Wegbeleuchtungen, Sträuchern, Hausmauern etc. Dies sind bevorzugte Stellen, denn die Markierungen werden gerne erhöht abgesetzt und an Orten, die von vielen Hunden passiert werden. Manche Pfotenfreunde werden zu wahren Artisten, vor allem die eher kleineren, teils wird hier der Popo in die Höhe gereckt, also auf den Vorderfüßen balanciert. So wird der Urin sichtbar hinterlassen, danach ggf. noch mit den Pfoten gescharrt, damit der Duft großflächig verteilt wird.
Befindet sich die Hündin in der Läufigkeit werden sog. Pheromone freigesetzt, hier handelt es sich um Botenstoffe, die Rüden anlocken sollen. Rüden sind an diesen Stellen oft außer Rand und Band, kleben förmlich auf der Straße und lecken diese ab. Hintergrund: Die Infos, die mit der Markierung abgesetzt werden, werden zum sog. Jacobson-Organ* weitergeleitet, mit diesem schmeckt der Hund sozusagen den Geruch.
Von vielen Hundehalter:innen wird dieses Verhalten als störend empfunden, es gehört aber zum normalen Verhalten eines Hundes dazu. Dies stellt noch keinen Grund für eine Kastration dar!
Mit den Markierungen kommunizieren unsere Fellnasen untereinander (nicht nur während der Fortpflanzungszeit) – sie lesen Zeitung. Die Hunde können an den Markierungen erkennen, wie alt der andere Artgenosse ist, ob er gesundheitlich fit, männlichen oder weiblichen Geschlechts ist sowie zu welcher Zeit er am Ort des Geschehens war, auch der Hormonstatus der Hündin wird erkannt. Zudem fällt den Hunden sofort auf, wenn es einen „Eindringling“ im Revier gibt (neuer Artgenosse).
Sollten Hunde unter großem Stress leiden, kann man auch feststellen, dass diese häufiger Urin absetzen. Angeblich beruhigt der eigene Geruch des Urins ängstliche Fellnasen. Dies kann auch ein Grund sein, warum Hunde Zuhause Markierungen setzen, wenn sie alleine sind. Hunde, die sich kennen und zu zweit unterwegs sind, pinkeln oft an diesselbe Stelle, erst der eine, dann der andere. Evtl. als Zusammengehörigkeitsgefühl. Bei fremden Artgenossen dienen die Markierungen zunächst als Vorstellung aus der Ferne, sind die hinterlassenen Infos interessant gehen sie oft in direkten Austausch und lernen sich näher kennen ODER aber auch aus dem Weg, wenn die Hinterlassenschaften keine Bedürfnisse geweckt haben.
Bei ungewöhnlichem bzw. verändertem Markierverhalten, welches plötzlich auftritt, würde ich immer einen Tierarzt zurate ziehen. Meisten stecken gesundheitliche Probleme (z. B. Blasenentzündung …) dahinter. Haben sich Veränderungen im Alltag ergeben (längeres Alleinebleiben, Umzug uvm.) kann natürlich auch wieder Stress die Ursache für die Unsauberkeit sein. Leider höre ich auch von meinen Kund:innen immer wieder, dass die Hunde aus Protest pinkeln. Dies halte ich für ausgeschlossen. Man sollte der Ursache für dieses Verhalten auf den Grund gehen und diese abschaffen. Der Hund möchte uns keinesfalls ärgern, es gibt IMMER einen Auslöser!
Hinweis: Auf einen direkten Kontakt unter gleichgeschlechtlichen Artgenossen (Rüden wie Hündinnen gleichermaßen) würde ich verzichten, sobald diese mit schwellender Brust, durchgedrückten Pfoten, gehobenen Köpfen und Ruten einen direkten Blickkontakt aufrechterhalten und nach dem Markieren massiv Scharren. Ruhige Ansprache und den Weg (am besten in größerem Bogen) fortsetzen.
Markieren wird aber nicht nur als Kommunikation genutzt, sondern auch als Kennzeichnung für unsere Hunde selbst. Sie verstecken sich z. B. Essbares und markieren diese Stelle oder auch angsteinflösende Gegenstände werden oftmals mit dem eigenen Urin belegt, damit diese als ungefährlich wiedererkannt werden.
Darf mein Hund auf den Gassirunden schnüffeln?
Anhand der oben gegebenen Informationen, wird ersichtlich, wie wichtig wohl Markierungen für unsere Vierbeiner sind, daher würde ich in jedem Fall den Liebling schnüffeln lassen. Die Geruchswelt unserer Hunde wird uns leider immer verschlossen bleiben, da wir nicht annähernd über diesen Geruchssinn, welcher sehr ausgeprägt und faszinierend zugleich ist, verfügen.
Dass ein Hund nur am Anfang bzw. Ende des Spaziergangs sich lösen darf, denn ansonsten wird er zum „Proll“ der Straße ist meiner Meinung nach ein absoluter Schwachsinn! Also nimm bitte Rücksicht auf die Bedürfnisse Deines Hundes!
*Jacobson-Organ lt. Wikipedia: „Das Jacobson-Organ, Jacobsonsche Organ oder Vomeronasale Organ … ist ein bei vielen Wirbeltieren ausgebildetes Geruchsorgan, das wie die Riechschleimhaut dem olfaktorischen System zugeordnet wird.“