Hochsensibel!?

Ist Dir vielleicht im Alltag aufgefallen, dass Dein Vierbeiner selbst in reizarmer Umgebung Verhaltensweisen an den Tag legt, welche Du nicht wirklich nachvollziehen kannst oder er in alltäglichen Situationen sehr überfordert wirkt?

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@Molly: „Ich liebe Dich so, wie Du bist!“

Vor allem wenn bisher niemand wusste warum bzw. Euch nicht helfen konnte, sollte man der Sache genauer auf den Grund gehen.

Dass Menschen hochsensibel sein können ist längst bekannt, aber gibt es das auch bei unseren Vierbeinern?

Zunächst möchte ich Dir erklären, was Hochsensibilität bedeutet.

Menschen, die hochsensibel sind, werden oft als „Sensibilchen“ oder „zart besaitet“ bezeichnet. Genauer gesagt bedeutet hochsensibel zu sein, dass man auf Geräusche, Gerüche, Schmerzen oder auch Emotionen empfindlicher und vor allem feinfühliger als andere reagiert. Diese teils heftigen Reaktionen können positiv aber auch negativ sein.

So, nun zurück zur eigentlichen Frage:

Können auch unsere Fellfreunde hochsensibel sein?

Dies beantworte ich eindeutig mit JA.

Es kommt zu einer sog. Reizüberflutung, wenn im Nervensystem ein Schutzsystem fehlt, welches normalerweise wichtige von unwichtigen Reizen trennt. Beispiel: Unsere Hunde nehmen im Alltag laufend Geräusche war, sind aber eigentlich in der Lage, bedeutungslose Geräusche beiseitezuschieben (z. B. Brummen eines Kühlschranks). Einem hochsensiblen Hund ist dies leider nicht möglich, daher ist er ständig einer großen Anzahl an auditiven Reizen ausgeliefert.

Wie entsteht Hochsensibilität? Nun ja, die Forschung hierzu ist noch nicht am Ende angekommmen. Man mutmaßt, dass in den meisten Fällen die genetische Veranlagung schuld daran ist, aber auch negative Erlebnisse und damit einhergehende posttraumatische Belastungsstörungen können Auslöser dafür sein. Nicht zu vergessen, eine nicht ausreichende Sozialisierung in der Prägephase (Welpenalter) können zu einer Hochsensibilität beitragen.

Wie erkenne ich Hochsensibilität?

Die Fellnase

  • reagiert besonders auf Gerüche, Geschmack, Lärm, neue Umgebungen und Überforderung,
  • reagiert ängstlich oder nervös bei überraschenden Ereignissen,
  • wird schnell unkonzentriert und unruhig,
  • ist meist überdreht bzw. hyperaktiv,
  • zeigt oft besondere Feinfühligkeit und Sensibilität gegenüber seinen Lieblingsmenschen, hat eine große Empathie,
  • möchte gerne Reizen, die ihn ängstigen, entkommen,
  • hat einen sensiblen Verdauungstrakt,

Spezialfall: Es gibt auch Fellnasen, die sozusagen sensationshungrig sind. Sehr widersprüchlich zu den oben genannten Verhaltensweisen. Diese Hunde sind meist sehr aktiv, risikofreudig, schnell gelangweilt und verfügen über eine besondere Neugierde.

Beispiel: Hund springt voller Freude in den See und dann kommt ihm plötzlich, dass Wasser nass und kühl ist, er schießt wie ein Pfeil völlig überfordert zu Halter:innen zurück, ist gestresst und weiß nicht wie ihm plötzlich geschehen ist. Solchen Hunden muss ein fester Rahmen gegeben werden, damit sie sich nicht selbst in diese überfordernden Situationen bringen.

Weitere Beispiele aus dem Alltag, welche auf Hochsensibilität hinweisen können:

Hund reagiert beispielsweise mäkelig auf Futter, findet selbst kleinste Gerüche (z. B. Duftkerze) zu viel oder aber das Ticken der Uhr wird als bedrohlich wahrgenommen. Ebenfalls können Berührungen von hochsensiblen Hunden als negativ empfunden werden. Das Signal „Platz“ auf nassen Böden oder Pflastersteinen wird nicht ausgeführt, Grund dafür die Bodenbeschaffenheit. Der Hund kann sich auf dem Hundeplatz überhaupt nicht konzentrieren, hier ist ggf. Einzeltraining sinnvoller uvm.

All diese Dinge sind einzeln betrachtet nicht unbedingt folgenschwer, zusammengefasst sollte man aber einmal mehr hinsehen als zu wenig.

Denn:

Hochsensibilität wirkt sich negativ auf die Gesundheit unserer Hunde aus, daher sollte sie keinesfalls ignoriert werden.

Symptome ständiger Reizüberflutung können sein:

  • Aggression/Depression aufgrund ständiger Ausschüttung von Stresshormonen
  • Allergien/Hautprobleme
  • Müdigkeit bzw. Lustlosigkeit
  • Appetitverlust
  • sowie Magen- und/oder Darmerkrankungen

Die Lebensqualität der betroffenen Hunde wird stark eingeschränkt.

Heilbar ist Hochsensibilität zwar nicht, aber als Halter:innen können wir diese erkennen und einiges dafür tun, dass es für unseren geliebten Vierbeiner erträglicher wird, z. B.:

  • artgerechte Beschäftigung: lange Spaziergänge, sonstige gemeinsame Aktivitäten sowie Hundesport (allerdings sind auf Ängste/Reaktionen seitens des Vierbeiners Rücksicht zu nehmen),
  • für ausreichend Ruhe und Entspannung sorgen, damit der Hund seine Energie wieder aufladen und Gedanken im Kopf sortieren und Erlebtes/Erlerntes sich festigen kann. Es kann hilfreich sein, einen tollen Rückzugsort einzurichten sowie Entspannungsübungen einzubauen, um den Hund beim Erholen zu unterstützen.
  • organisierten und strukturierten Tagesablauf ermöglichen, dieser reduziert den Stress und verhindert Überforderung,
  • Reizen, die ihn überfordern, nicht direkt aussetzen,
  • Neues kleinstschrittig aufbauen,
  • auf eigene Stimmung achten (Stimmungsübertragung!),
  • evtl. Tierarzt und/oder Verhaltenstherapeuten einbinden,
  • und zu guter Letzt – VERSTÄNDNIS zeigen:

„Dass mir der Hund das Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde.
Der Hund bleibt mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“
– Arthur Schopenhauer

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Tipp: Buch von Bela F. Wolf (Tierarzt, Journalist und Autor) – „Ist Ihr Hund hochsensibel?“ inkl. Test

Vermutest Du, dass Dein Vierbeiner hochsensibel ist und benötigst Du Hilfe, so melde Dich! Gerne unterstütze ich Euch, damit Euer Alltag wieder harmonischer wird!

Herzliche Grüße